A Travellerspoint blog

Lost in Translation

China – von 17.12. 2006 bis 3.1.2007

overcast 14 °C

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Kunming hat etwa 2 Millionen Einwohner, zumindest hab ich das irgendwo aufgeschnappt, keine Ahnung ob’s mehr oder weniger sind. Egal, jedenfalls kann es in Kunming relativ kalt werden im Winter. Für Sonnenverwöhnte, wie wir es sind, war’s schon ein kleiner Schock.
Alles was ich an warmer Kleidung mithatte, beschränkte sich auf eine lange Hose und einen Pullover. Wärmere Sachen mussten her, also habe ich mir eine schwarze lange Unterhose, eine Haube und modische Handschuhe mit drauf gestickten Adlern besorgt. So ausgerüstet konnte uns China nichts mehr anhaben. Oder das dachte ich jedenfalls.

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Ein dummer Fehler ist ohne Reiseführer nach China zu fahren. Speziell in Kunming ist es sehr schwierig einen Lonely Planet usw. zu finden. Die meisten Buchhandlungen haben kaum oder gar keine englischsprachigen Bucher, ganz zu schweigen von Reiseführern. Hier rechte sich, dass wir in Loas zu gierig waren um uns einen (kopierte) Lonely Planet zu kaufen. Dort gab es Reiseführer an jeder Ecke, aber nach Kunming kommen dann doch nicht so viele Westler, also ist es hier um einiges schwieriger an Einen zu kommen. Erst am zweiten Tag sollten wir dank eines Tipps von einem Franzosen eine annehmbare Buchhandlung finden und für schlappe 30 Euro (!!!) einen Rough Guide erstehen. Selbst Schuld, wie gesagt, wenn man so schlecht vorbereitet hier herkommt.

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Sehr spontan hatten wir beschlossen nach China zu fahren und ich hab mir nicht mehr großartig Gedanken darüber gemacht. Das Visum gab’s in Vientiane um 32 Doller und die Sache war geregelt. In Luang Prabang haben uns ein paar Traveller von China vorgeschwärmt und ich hab mich dann schon sehr darauf gefreut. Doch der erste Eindruck war eher ernüchternd. Die Chinesen sind einfach anders drauf als ihr Nachbarn in Südostasien. Bei weitem nicht so relaxt und eher von der ruppigen und distanzlosen Sorte. Jedenfalls war das mein erster Gedanke. Das sollte sich im laufe der Zeit auch noch relativieren, wir hatten einfach einen nicht so guten Start. Es kam einfach viel zusammen: das schlechte Wetter, die Mentalität der Chinesen und vor allem unsere nicht getroffenen Vorbereitungen was Kleidung, Reisführer usw. betraf.

Die allerschlimmsten Toiletten die es gibt, befinden sich in China. Jedenfalls hab’ ich noch nichts Schlimmeres gesehen. Weder in Thailand, Kambodscha oder Laos. 1,3 Miliarden Menschen leben in China. Dass heißt, dass der durchschnittliche Chinese ein anderes Verhältnis zu Privatsphäre hat als ein Europäer oder Ami. Das schlägt sich auch auf die sanitären Anlagen nieder. Wenn man in einer öffentlichen Toilette pinkelt, kann/muss man oft anderen beim kacken zusehen. Türen sucht man vergebens, außerdem haben einige besondere Könner große Probleme das Loch im Boden zu treffen. Oder ist es ihnen einfach egal, wer weiß das schon. Wie heißt es so schön - geheimnisvolles Asien 

Guilin

Am 20. Dezember sind wir mit der Bahn nach Guilin gefahren. Guilin liegt in einer sehr berühmten und einzigartigen Landschaft. Überall erheben sich zweihundert Meter hohe Berge aus dem Flachen Land. Jeder dürfte diese Gegend aus dem Fernsehen oder von Bildern kennen. Nur hatten wir keine Ahnung dass wir genau hier, zwischen diesem Naturwunder halt machen würden.
Guilin selbst liegt in der Provinz Guangxi, die eben für ihre Berge und Reisterrassen berühmt ist. Und in dieser Provinz hat es in den Sechzige Jahren noch Kannibalismus geben. Kein Scherz, in Wuxuan, einer kleinen Stadt weiter südlich, wurden Klassenfeinde von Kommunisten gefressen!

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Die Fahrt mit dem Zug war ziemlich angenehm, wenn man bedenkt, dass wir 20 Stunden gebraucht haben um Guilin zu erreichen. Wir hatten nur naoch die teuersten, dafür aber auch die komfortabelsten Plätze im Zug bekommen. das Soft Sleeper Abteil bietet Platz für vier Personen. Jeweils zwei Betten unten und zwei oben. Dann gibt’s noch Hard Sleeper; für sechs Personen und um einiges billiger. Außerdem hat man noch die Wahl zwischen hard und soft seat, aber bei einer Zwanzigstunden-Fahrt ist das schon eher was für die Sparefrohs unter uns.

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Von Guilin haben wir nicht so viel gesehen, und ich glaube wir haben auch nicht viel verpasst. Das Wetter ist um einiges besser gewesen, als es in Kunming war, und wir haben uns am ersten Tag etwas umgesehen. Ich war aber von der Zugfahrt überraschen geschlaucht und hab’ mich bald hingelegt.

Am folgenden Tag haben wir einen kleinen Ausflug nordwärts gemacht. Mit dem Bus nach Longsheng und von dort nach Longji Titian. Dort gibt es schöne, sehr steile Reisterrassen.
Leider ist es im Dezember sehr trocken in Südchina, darum war die Landschaft nicht ganz so atemberaubend. Trotzdem war es die Fahrt wert!

Von Guilin sind wir weiter nach Yangshou. Yangshou ist nur etwa eineinhalb Stunden mit dem Bus entfernt. hier tummeln sich sehr viel mehr Touristen und der Ort ist voll auf sie ausgerichtet. Viele Chinesen sprächen Englisch, was auch nicht gerade unangenehm ist.
Die letzten Tage waren manchmal schon etwas mühsam, wenn man etwa etwas zu essen bestellen wollte usw.

Wir haben unsere Zeit in Yangshou damit verbracht, mit dem Fahrrad durch die beeindruckende Landschaft zu radeln und den Ort zu erkunden. Wir haben den Moon Hill bestiegen, einen der vielen Berge/Hügel was ziemlich anstrengend war. Dafür war die Aussicht großartig!

Am 24. Dezember sind wir in einer Bar gelandet, in der gerade eine Firmenweihnachtsfeier in Gange war. Als einzige Ausländer hat’s nicht lange gedauert bis wir mitten drin waren, und uns die Chinesen abgefüllt hatten. Wir haben zu grauenhafter Musik getanzt und Happy Birthday gesungen (für wen weiß ich nicht, wahrscheinlich fürs Christkind.) Lustigstes Weihnachten ever!

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Ich hab’ es in Yangshou auch endlich geschafft den Film Dr. Strangelove von Stanley Kubrick zu sehen. Der wurde mir schon öfter ans Herz gelegt.
Das kleine Kino/Raum war eigentlich das Hinterzimmer eines Tatoostudios einer Chinesin. Die war total nett, und da wir die Einzigen waren die einen Film sehen wollten, hätten wir uns sogar einen Anderen aussuchen dürfen. Der Film war genial, mir wurde nicht zuviel versprochen.

Posted by irezumi 08:08 Archived in China Tagged round_the_world

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